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Dienstag, 22. Juli 2008

Wandern und Kultur auf dem Jakobsweg


Vom 5. - 16. Mai 2008 unternehmen wir die Tour unseres Lebens: Die Wanderung auf dem Jakobsweg, dem Camino francés.

Allerdings war das die Tour: Wandern mit Kuschel-Reisen :-)
Das heißt, wir hatten einen Gepäcktransport dabei und die hübschesten kleinen Pensionen, die es am Wegesrand gab!
Veranstalter Pura-Reisen aus Hamburg.

Mehr über die einzelnen Etappen im Anschluss.

Montag, 21. Juli 2008

Von Bielefeld nach Bilbao


Montag, 5. Mai 2008

Abfahrt gegen 11 Uhr am Flughafen Paderborn.
Erste Station: Mallorca. Weiterflug von Gate D 99 um 14:30
Auftakt zum Erlebnis „Jakobsweg“.

Wir laufen den ganzen Flughafen ab, um ein Tagebuch zu finden und wissen nun, dass es an Gate A irgendwann nicht mehr weiter geht, dass auch an Gate B nichts Besonderes zu entdecken ist, dass Gate C ein McDoof und ein Pizza Hut und Gate D einen Burger King hat, vor dem aber eine sehr lange Schlange wartete – also: keinen Burger diesmal!

Wir warten auf den Weiterflug nach Bilbao, um endlich unser Abenteuer starten zu können.
Doch erst einmal heißt es: Geduld – der Flugsteig ist doppelt belegt, so dass wir noch einen Flieger nach Porto durchlassen müssen. Doch dann geht es endlich los! In der Einsteige-Schlange treffen wir auch gleich zwei echte Pilger, die ab Burgos den Camino gehen wollen.

Ankunft Flughafen Bilbao um 17:15 Uhr. Schon auf dem Gepäckband ist deutlich zu erkennen, dass hier keine normalen sonnenhungrigen Touristen ankommen: Statt Sonnenhut und Schminkköfferchen rollen auf dem Band Pilgerstäbe, Rucksäcke und Wanderstiefel heran.

Sobald wir unser Gepäck in Empfang genommen haben, treffen wir draußen unseren Reiseleiter: Luis Peter Burmeister – ein Juwel, wie sich bald herausstellt! Seit Stunden steht er vor dem Flughafengebäude und hält brav jedesmal das PURA-Reisen-Schild hoch, sobald ein Flieger gelandet ist, denn die anderen Mitreisenden der Gruppe kommen aus Berlin, Kiel, Hamburg, dem Vogtland und der Gegend von Heidelberg.

Was tun also in der Wartezeit? Na klar – erst einmal sehen, wie das San Miguel in diesem Sommer schmeckt, und spätestens beim Anblick eines knackigen Baguettes mit Serrano-Schinken stellt sich dann auch prompt der Hunger ein!
Nach ca. 1 Stunde sind dann auch die letzten Mitreisenden eingetroffen. Unser Fahrer Oscar hat alles Gepäck in seinem Anhänger verstaut und nun kann es losgehen.


Freitag, 18. Juli 2008

Von Burguete nach Pamplona

Übernachtung in einem kleinen Hostal, sehr ländlich und sehr hübsch. Der knarrende Holzfußboden hat seinen ganz besonderen Charme...

Die Hostalmutter tischt ein für die Region typisches und köstliches Abendessen auf: Grüne Bohnensuppe mit viel Knofi, Forelle als Hautpgang und Tarte aux Pommes als Nachspeise. Und der Padrone schenkt dazu einen sehr guten Vino Tinto "Los Señorios de Irati" aus. Gegen 23 Uhr begeben wir uns - wieder einmal als Letzte - auf unser kuscheliges Zimmer und fallen augenblicklich müde und erwartungsfroh, was wohl die kommenden Tage bringen mögen, in den Schlaf.


Dienstag, 6. Mai 2008

Wer bei offenem Fenster schläft und die gute Landluft genießt, kann es schon ab 5 Uhr morgens hören, das eintönige aber stetige: klack - klack - klack. Da sind sie also: die richtigen Pilger! Und während wir uns noch einmal in unseren herrlichen Betten umdrehen, sind sie schon auf dem camino unterwegs.

Bei uns heißt es - wie jeden morgen: Frühstück um 8 Uhr, Abmarsch um 9 Uhr.

Wetter: 22° tagsüber, 14° des nachts.

Unsere Jakobstour geht erst einmal ganz gemütlich los, nämlich mit Oscar und dem Bus. Es geht stetig bergauf durch die Pyrenäen bis zur Passhöhe Puerto de Ibañeta (1057 m). Von hier aus hat man einen phantastischen Fernblick nach Frankreich, Spanien und in die Pyrenäen. Hier steht neben der modernen "Capilla del Savador" (1965) das Rolandsdenkmal (s.u.).

Die Rolandssage basiert auf dem Kampf Kaiser Karls des Großen und seiner Paladine, darunter der Markgraf Roland, Karls Neffe, gegen die heidnischen Mauren in Spanien.

Roland führte die Nachhut von Karls Heer an, das Pamplona zerstört hatte. Der Sage zufolge werden er und weitere elf Ritter bei Roncesvalles vom heimischen baskischen Heer überfallen und, da Roland aus Stolz zu lange zögert, bevor er mit einem Stoß in sein Horn Olivant Karls Heer zu Hilfe ruft, werden alle getötet.

Im Rolandslied / der Rolandssage werden die baskischen Angreifer allerdings zu Mauren, Roland zum tapferen Helden und Karl der Große zum Retter - eine Version, die gut in das Weltbild der christlichen Kämpfer passte, die gegen die maurische Herrschaft kämpfte.

Der Stoff wurde mehrfach verarbeitet bzw. übersetzt und auch parodiert. Zudem entwickelte sich um den als Märtyrer angesehenen Roland ein regelrechter Kult, und so enstanden in Deutschland zahlreiche Rolandstädte, die auch heute noch von einem Abbild Rolands in Form einer Statue bewacht werden.




Von der Ibañeta Höhe unternehmen wir unseren ersten Fußmarsch bergab Richtung Roncesvalles durch eine wunderschöne Waldlandschaft, entlang an einem kleinen Bach. Die Sonne strahlt herrlich durch die Zweige und Äste - es ist wie im Märchen.

Roncesvalles beeindruckt durch sein überragendes Kloster. In der hochgotischen Abtei befindet sich das Grabmal des navarrischen Königs Sancho VII. im gotischen Kapitelsaal.

Während wir einige Zeit im Inneren der Kirche verweilen - schließlich wird man müde nach einer halbstündigen Wanderung :-) - versucht unser Reiseleiter Peter Luis, Pilgerausweise für uns zu ergattern. Leider jedoch ohne Erfolg, denn die Dame, die eigentlich um 10 Uhr ihren Laden öffnen soll, ist um 10:20 Uhr immer noch nicht aufgetaucht, und somit besteigen wir wieder unseren Bus und fahren zum Ausgangspunkt der nächsten Wanderung nach Viscarret.

Dort füllen wir dann am Brunnen unsere Wasserflaschen und besorgen uns in der örtlichen Tienda erst einmal Proviant, um die kommenden 6,5 km auch durchstehen zu können. Nach Santiago de Compostela sind es nun auch nur noch 790 km - also: Packen wir es an!

Wieder einmal erwartet uns ein richtig lauschiger Weg. Zuerst steil bergauf, vorbei an Kuhweiden und dann wieder durch die wunderschöne Waldlandschaft der Pyrenäen.

Urplötzlich taucht eine Gedenktafel am Wegesrand für einen japanischen Pilger auf, der die Tour nicht überlebt hat, und dem seine Mitpilger hier ein kleines "Denkmal" gesetzt haben.

Und damit es uns nicht genauso geht, machen wir erst einmal Picknick und verzehren unsere in Viscarret erstandenen Köstlichkeiten.

Am Puerto de Erro erwartet uns dann wieder Oscar mit dem Bus. Viele möchten wohl gerne noch etwas länger wandern - es ist so schönes Wetter und eine solch traumhafte Landschaft - aber es gibt einige geschichtsbeflissene Mitreisende (angeblich sollen es mehr als zwei gewesen sein...), die auf dem schnellsten Wege nach Pamplona wollen. So ist das nun einmal bei einer Gruppenreise: Wenn etwas geändert wird, das ausdrücklich im Reiseprospekt steht, müssen sich halt alle einig sein.

Also, wieder auf in den Bus und Richtung Pamplona!

Montag, 5. Mai 2008

Pamplona


6. Mai 2008 - Um ca. 14.15 Uhr erreichen wir Pamplona. Wir machen uns erst einmal im Hotel frisch, tauschen Wanderschuhe gegen Sandalen und los geht's auf Stadterkundung. Wie gut, dass wir schnell weitergefahren sind anstatt doch noch im schönen Sonneschein durch den Wald zu wandern - so haben wir nun ausreichend Zeit, Pamplona zur Siesta Zeit zu genießen :-).

Wie in Spanien so üblich, ist natürlich alles Sehenswerte geschlossen, einschließlich der Kathedrale de Santa María. Was also bleibt wieder einmal: der Gang ins Café. Zu allem Überfluss fängt es auch noch leicht an zu regnen. Aber - den Touri aus Bielefeld schrecken ein paar Tropfen natürlich nicht.

Sobald die Kathedrale offen ist, besichtigen wir diese dann. Sind aber nicht wirklich begeistert und verlassen diese dann auch bald wieder. Wie sich nachher herausstellt, müssen wir wohl irgendetwas übersehen haben, denn wir sind bei den eigentlich sehr netten doch ziemlich geschichtsbeflissenen Mitreisenden auf völliges Unverständnis ob unserer Meinung gestoßen; sie haben 4 Stunden in dieser Kirche zugebracht.

Nun wollen wir natürlich auch das Wichtigste für Pamplona, die Stierkampfarena nicht verpassen, und machen uns durch die engen Gassen auf den Weg dorthin. Und zwar genau auf dem Weg, den auch die Menschen nehmen, wenn sie sich an den Stieren messen wollen. Der Weg ist gut zu erkennen, da an den Rändern der Straße kleine bronzene Metallpflöcke sind, die dann beim "Encierro" - dem Stiertreiben - herausgenomm werden, so dass Pflähle hineingesteckt werden können, damit die Stiere nicht von ihrem vorgegebenen Weg abkommen.

Am Abend treffen wir dann auf die anderen Wandersleute und essen gemeinsam im Cafe Iruña, in dem Ernest Hemingway Stammgast gewesen sein soll. Daher hat man ihn so, wie er dort immer an der Bar stand in Broze gegossen und der Nachwelt erhalten. Wir allerdings können diese Vorliebe nicht teilen. Das Essen wird völling lieblos und in einem "Affenzahn" serviert - also Stammgäste werden wir hier sicherlich nicht!

Am nächsten Morgen unter-
nehmen wir eine Stadtführung.
Start ist bei der Iglesia San Lorenzo mit dem Heiligen "San Firmnius". Hier gehen die Sanfermines los, die Festlichkeiten rund um das Stiertreiben. Näheres hierzu im nächsten Kapitel.


Ach und dann ist da noch die Geschichte von dem reichen Kaufmann, der in diesem kleinen Häuschen wohnte, genau neben dem Kloster rechter Hand.

Er soll eine sehr hübsche Tochter gehabt haben, die er in dieses Kloster gab. Und: Damit er sie ab und zu einmal sehen konnte, ließ er diesen Übergang von seinem Haus zum Kloster bauen. Wie romantisch!

Böse Zungen behaupten allerdings, er habe dort nicht nur seine Tochter besucht....



Schließlich machen wir noch einen kleinen Rundgang durch die Stadt und kaufen uns etwas Proviant für die nächste Wanderung.


Sonntag, 4. Mai 2008

Sanfermines und Encierro

Die Sanfermines haben drei geschichtliche Hintergründe. In erster Linie werden sie zu Ehren des Hl. Firmin d.Ä. gefeiert, einem Sohn der Stadt, der ca. im dritten Jahrhundert n.Chr. die Gegend um Amiens (Frankreich) missionierte. Kurioserweise ist San Fermin weder der Schutzheilige Pamplonas (das ist San Saturnino) noch der der Region Navarra (diese Ehre kommt San Francisco Javier zu). Nicht einmal das Datum der Festlichkeiten fällt auf den ursprünglichen Gedenktag des Heiligen am 10. Oktober; im Jahr 1591 entschied man in Pamplona, das Fest, das schon seit 1324 gefeiert wurde, wegen des schlechten Wetters im Oktober auf den 7. Juli zu verlegen.

Die Art der Festlichkeiten wurzelt in den mittelalterlichen Jahrmärkten (ferias) sowie in den Stierkämpfen (corrida de toros). Damals wurden die Stiere von Hirten zur Plaza de Toros in die Stadt getrieben. Der spanische Stierkampf ist das letzte Relikt jenes vorzeitlichen Rituals, das in aller Regel die Tötung eines Stieres in den Mittelpunkt der Handlung stellt.
Der Chupinazo ist der offizielle Beginn der Sanfermines. Am 6. Juli versammeln sich abertausende Festgäste vor dem Rathaus in dichtem Gedränge, um dort den Startschuss der kleinen Rakete (cohetes) um Schlag 12 zu erwarten und zu feiern. Eine örtliche Persönlichkeit wird auserkoren, diese Rakete zu zünden und danach mit dem Spruch "Viva San Fermín, Gora San Fermín" ("Lang lebe San Fermin" auf Spanisch und Baskisch) die Festwoche offiziell auszurufen. Das Tragen der roten Halstücher, Teil der typischen Kleidung, ist vor Beginn der Fiesta eher unüblich.

Am 7. Juli um 10 Uhr wird im Rahmen einer Prozession eine große Figur des Schutzheiligen San Fermín durch die Altstadt Pamplonas getragen. Während kurzer Pausen singen die Teilnehmer zu Ehren ihres Patrons. Diese Prozedur dauert etwa 1 1/2 Stunden, bis der Zug an der Kirche San Lorenzo ankommt. Dort wird anschließend in der Kapelle des San Fermín Messe gehalten. Für einige Bürger ist dieser religiöse Aspekt einer der Wichtigsten des Festes.
Der Encierro ist das Eintreiben der sechs Kampfstiere in die Stierkampfarena. Hierbei handelt es sich um eine Strecke von 825 m, die hauptsächlich durch die Altstadt Casco Viejo von Pamplona führt.
Der Encierro (Einschluss, weil die Straßen mit Holzbarrieren abgeriegelt werden) findet täglich zwischen dem 6. und 14. Juli um 08:00 Uhr statt und dauert bei komplikationsfreiem Ablauf ca. drei Minuten. Sobald der Startböller Punkt acht Uhr ertönt, begeben sich die sechs Stiere mit einem Dutzend Kühe (mit Kuhglocken) auf die Strecke und rennen in Richtung Plaza de Toros (Stierkampfarena von Pamplona). Der Kick für die Teilnehmer ist es, eine kurze Wegstrecke möglichst neben einem Stier herzulaufen. Auf Grund der hohen Geschwindigkeit ist dies jedoch nur für zehn, max. zwanzig Meter möglich.
Traditionell trägt jeder Läufer (mozo) ein weißes Hemd und eine weiße, enganliegende Hose mit einem roten Halstuch (pañoleta) sowie einer roten Schärpe (faja). Viele erfahrene Teilnehmer laufen mit einer zusammengerollten Zeitung, um den Abstand vom Stier zum Läufer zu verlängern und den Stier am Hals in Richtung Arena zu lenken (denn es stimmt nicht, dass die Stiere auf „rot“ reagieren, sondern auf die Bewegun).
Der gefährlichste Teil ist die Cuesta de Santo Domingo. In dieser Enge passieren für gewöhnlich die meisten Unfälle. Mit jährlich steigender Teilnehmerzahl steigt auch die Verletzungsgefahr, da sich immer mehr Menschen auf der Strecke und den Fluchtwegen tummeln. Oft fallen Menschen und manchmal kollidieren Stiere mit Menschen, was zu Verletzungen führen kann. Seit 1900 starben ungefähr ein dutzend Personen, die an der Mutprobe "Encierro" teilnahmen.
Die Tiere müssen beim Encierro große Angst, Panik und Schmerzen durch Schläge und Stürze erleiden. Nach dem Eintreiben haben die sechs Stiere genau zehn Stunden Zeit, um sich am selben Abend in der Stierkampfarena der Mannschaft des Matadoren nach altem Ritual in einem Todeskampf zu stellen. Der Kampf endet für den Stier meistens tödlich. Die Einnahmen aus den Eintrittskarten der Arena und dem Verkauf des Stierfleisches kommen karitativen Zwecken zu Gute (lecker so ein mit Adrenalin vollgepumpter Stier..).
Nach dem Encierro gibt es Umzüge mit Cabezudos (Großköpfe) und Gigantes (Riesen), den "Reyes y Reinas", das sind ca. vier Meter große Riesenfiguren, die dem alten Leitbild des Mittelalters, den Königen von Europa, Afrika, Amerika und Asien entsprechen sollen.
Das Fest endet am 14. Juli dort, wo der Trubel auch angefangen hatte, auf der Plaza Consistorial vor dem Rathaus.

Von Estella über das Kloster Irache nach Vilamayor

Von Pamplona aus geht es mit dem Bus nach Estella. Schon im Bus verdichtet sich, was wir dann beim Aussteigen life erleben sollten: es regnet! Also schnell auf ins Trockene einer Kirche....

Das war leider nichts - das gute Stück ist geschlossen. Also weiter zur Stadtführung im Regen. Diese wunderschöne Brücke unten müssen wir natürlich überqueren.

Wir bestaunen noch einige Storchennester und begeben uns viele viele Stufen bergauf in eine Wehrkirche. Innen ist diese allerdings sehr finster - erst bein Hinausgehen bemerken wir, dass wir es für die Investition von 1 Euro uns auch hätten hell machen können.

Das Kloster Irache ist der Renner! Hier hat man ein Herz für Pilger!

Das Kloster Irache ist ein großes Weingut und erfrischt die Pilger an einem Brunnen, der Wasser für den Durst und Wein für's Gemüt liefert. Den "Fuente del vino" kürt ein Schild:

!Peregrino!
Si quieres llegar a Santiago con fuerza y vitalidad
de este gran vino echa un trago y brinda por la felicidad.
(Übersetzt in etwa:
Pilger!
Willst Du voller Kraft und Lebesnfreude in Santiago ankommen,
so nimm' einen Schluck von diesem großartigen Wein
und stoße auf das Glück an!)


Vor dem Weinbrunnen treffen wir auf zwei Franzosen aus Lyon. Über dem Brunnen ist eine Webcam und eine Internetadresse angebracht, und die Beiden telefonieren gerade mit der Tochter, die sie nun über diese Internetadresse hier am Brunnen stehen und Wein trinken sehen kann. Da sage noch einer, die Spanier seien nicht auf dem neuesten Stand der Technik!

So weinselig entscheiden wir uns dann doch für den Bus und gelangen guter Dinge nach Vilamayor. Hier wird dann erst einmal gepicknickt. Und dann starten wir unserer Wanderung über 12 Km bei herrlichsten Wanderwetter (etwas Wind, etwas Sonne).

So macht wandern Spaß! Ich habe mir inzwischen angewöhnt, als allerletzte zu marschieren, denn der Problematik, ob bei Lidl die neuesten Kerzen eingetroffen sind, die von Aldi hingegen nicht tropfen..., musste ich dringendst entfliehen. Hier hinten habe ich meine Ruhe und kann meinen Gedanken nachhängen, Weg und Wind kontemplativ auf mich einwirken lassen. Nachdem zwei Drittel der Strecke zurückgelegt sind, taucht plötzlich - wie aus dem Nichts - ein Wohnwagen mit Engländer auf. Freudig erregt ob dieser Abswechselung steuere ich schnellen Ganges darauf zu. Und siehe da: Wir bekommen Kaffee, O-Saft (aus der Tüte) und Wasser angeboten. Es kostet nichts - wer mag, kann natürlich gerne einen Obolus hinterlegen :-) (so etwas rechnet sich immer!). Mir hat der freundliche Engländer meine Wasserflasche vollgefüllt. Dankbar habe ich einen kräftigen Hieb des kühlen Nasses genommen - was ich augenblicklich bereute: Chlor pur! Was die Wasserqualität angeht, so stelle ich mich tatsächlich ziemlich an und greife in südlichen Ländern (oder in Bielefeld, wenn das Wasser wieder einmal Keime aufweist....) lieber zu Evian oder einem entsprechenden Produkt. Nach der nächsten Kurve habe ich dann meine Flasche am Wegesrand entleert. Zum Glück sind keine Spätfolgen eingetreten.

Der Weg brachte uns nach Los Arcos. Ach und wie schön: Hier stehen plötzlich zwei Tische mit mehreren roten Plastikstühlen und 3 Getränkeautomaten. Sonst ist niemand zu sehen. Dankbar nehmen wir diese Gelegenheit natürlich sofort war. Interessant ist: Es wird alles angeboten, von Cola über Fanta, Wasser, Bier und alkoholfreiem Bier und noch mehr. Und ebenso interessant: Egal, was man auch drückt, es kommt immer alkoholfreies San Miguel aus dem Automaten.... Aber das wenigstens richtig kühl und somit eine Delikatesse. Noch nie hat mir alkoholfreies Bier so gut geschmeckt!

Samstag, 3. Mai 2008

Von Logroño bis Santo Domingo de la Calzada

Unser Nachtlager schlagen wir heute auf in Logroño, der Hauptstadt Riojas. Wir wohnen in einer kleinen Straße mitten in der Stadt, etwas laut, aber, wenn die Fenster zu bleiben, ist es zu ertragen.
Wir besichtigen die Kirche Iglesia el Real, mit der Darstellung Santiagos als Maurentöter Santiago Matamoros. Der Legende nach eilte Santiago im Jahre 844 in der Schlacht von Clavijo den spanischen Truppen auf einem Schimmel zu Hilfe und schlug 70.000 Araber in die Flucht.


Von Logroño aus geht es mit dem Bus nach Santo Domingo de la Calzada. Diese Kirche wurde berühmt durch das "Hühnerwunder": Der Legende nach soll ein Ehepaar aus dem Rheinland auf dem Weg nach Santiago de Compostela mit ihrem Sohn in einer Herberge des Ortes Rast gemacht haben. Die Wirtstochter verliebte sich in den Sohn und versuchte, ihn zu verführen, was ihr jedoch nicht gelang, denn der Sohn blieb standhaft, weil er sich ja auf einer religiösen Reise befand. Aus verletztem Stolz schmuggelte sie ihm einen Silberbecher in das Gepäck, um ihn bei seiner Abreise des Diebstahls zu bezichtigen. Daraufhin wurde der junge Mann zum Tode verurteilt und erhlängt. Seine Eltern hatten die Reise nach Santiago fortgesetzt und den Heiligen Jakobus um Hilfe angefleht. Bei ihrer Rückkehr nach Santo Domingo de la Calzada fanden sie ihren Sohn noch lebend, von Jakobus an den Füßen gestützt, am Galgen hängend. Sie eilten daraufhin zum Bischof, um Gnade für ihn zu erbitten. Der Bischof, der gerade bei seinem sonntäglichen Mittagsmahl saß, das aus einem Paar gebratenen Hühnern bestand, entgegnete ihnen, dass ihr Sohn so tot wie die Hühnter auf seinem Teller sei. In diesem Moment erhoben sich die Hühner und flogen gackernd davon. Der Jüngling wurde vom Galgen genommen.


Übrigens soll es Glück bringen,
wenn der Hahn kräht,
während man in der Kirche weilt.
Bei uns hat er gleich
2 x gekräht! :-)

Freitag, 2. Mai 2008

Villafranca - Montes de Oca - San Juan de Ortega

Unsere Wanderung geht los im Nebel - wild romantisch!



Nach dem ersten Anstieg überfällt uns urplötzlich der Hunger. Und da ist es auch schon: das lauschige Plätzchen (sogar mit Händewasch-Möglichkeit in Form eines kleinen Brunnens)! Wir sind nur zu Fünft - der Rest der Truppe ist weitergelaufen (Fehler !!!)


So gestärkt nehmen wir den folgenden Anstieg mit Leichtigkeit. Der Weg führt uns über eine Art matschigen Truppenübungsplatz. Wir treffen auf einen Fahrradpilger, der diese Unterfangen schwer bereut, denn der Matsch legt sich so um Speichen und Räder, dass er sein Fahhrad noch nicht einmal mehr schieben kann. Er muss es tragen!!!! Es geht steil bergauf und irgendwann wird aus dem Nebel dann Nieselregen....

Nach einiger Zeit holen wir den Rest der ungestärkten und somit entmutigten Truppe schließlich ein.

Inzwischen schüttet es wie aus Kübeln und wir werden naß bis auf die Knochen. Der gemeine Spanier würde sagen: ¡Se mojaron como patos!

Wie gut nur, dass ich mich vor der Reise entsprechend ausgerüstet habe. Ich besitze eine atmungsaktive Regenhose samt passender Jacke und natürlich eine Haube für den geliebten Rucksack!
Nur leider alles im Koffer und in Oscars Bus....

Es dauert nicht lange, da klebt die Hose an den Beinen wie eine zweite Haut. Unwohlsein macht sich breit - vor allem bei meinem regenscheuen Mann :-(

Irgendwann sehen wir dann in der Ferne die Silhouette der Kirche von San Juan de Ortega, was uns zu wahren Freudenausbrüchen verleitet: Das Leid hat ein Ende... Und nicht nur die Kirche ist bald in Sicht, sondern auch Oscar mit dem warmen Bus! Wir schmeissen die nassen Klotten hastig in den Kofferraum. Mein Mann und ich hasten noch kurz zurück in die Bar Marceló (auch in Spanien ist Kirche und Kneipe immer in unmittelbarer Nähe), trinken einen heißen Cortado und holen uns den dieses Mal wirklich verdienten Stempel ab.

Donnerstag, 1. Mai 2008

Burgos

Der Bus bringt uns nach Burgos. Zu sehen ist allerdings aus dem Busfenster nichts, da wir alle so nass sind, dass die Scheiben sofort völling beschlagen.
Auch in Burgos ist das Wetter nicht besser. Wir kommen in einem 4-Sterne-Hotel unter. Es ist ziemlich groß und liegt genau an der spanischen ICE-Trasse und just vor einem Tunnel, so dass die Fahrer jedesmal kräftig hupen bei Einfahrt in selbigen. Nun denn - aber es gibt eine funtionierende Heizung. Und binnen Minuten habe ich den kompletten Rucksack auf Bügel gehängt, im Raum verteilt und auf ca. 100 Grad hocherhitzt! In meinem Zimmer sieht es aus wie in einer Wäscherei (Bis auf die Schuhe ist auch tatsächlich alles bald trocken, hier musste noch der Fön zu Hilfe genommen werden).

Das Zimmer ist zwar recht hübsch eingerichtet, aber nicht allzu sauber. Kein Vergleich zu den hübschen kleinen Hostals. Witzigerweise liegt auf meinem Nachttisch noch der "Beschwerdezettel" meiner spanischen Vorwohnerin (die im Übirgen genau die gleichen Dinge bemängelt, die auch mich stören!).

Trotz stärkster Befürchtungen ob der Tunnel-Trasse schlafe ich gut (der vino tinto hat seine Wirkung nicht verfehlt!). Am nächsten Morgen wird die Welt bestimmt wieder heller aussehen...

DENKSTE! 9 Uhr - Aufbruch zur Stadtführung im Regen. IM STRÖMENDEN REGEN!!!

Ein sehr netter kleiner spanischer Stadtführer zeigt uns Burgos und die Kathedrale. Diese ist wirklich ein Prunkstück. Ich habe selten etwas so Schönes gesehen.



In einem Nebenraum steht ein ganz
interessantes Modell, das die enorme Größe dieser Kathedarale gut
veranschaulicht.









Hier ist auch El Cid in Öl verewigt. Ich muss allerdings sagen, Charlton Heston gefiel mir in dieser Rolle besser!






Wunderschön ist der Kreuzgang der Kathedrale,
sehr hell und licht.

Mittwoch, 30. April 2008

Von Hontana nach Castrojeriz

Mit dem Bus geht es weiter nach Hontana, wo wir an der dortigen Pilgerherberge Halt und Picknick machen. Ein richtig schönes Plätzchen haben wir hier - und einen Treffpunkt vieler Nationen: Franzosen, Spanier, Koreaner, Engländer, Deutsche, Japaner... Die Herbergsmutter bietet eine breite Auswahl an selbstgebackenen Kuchen an - eine Augenweide! Und wie die erst durften...

Das Wetter wird richtig schön. Ich überlege ernsthaft, ob ich Regenhose gegen Shorts austausche :-).
Wir durchqueren ein altes Tor, es sieht alles sehr einsam aus. Bis auf einen verfallenen Bauernhof, der auch den Eindruck macht, als habe er seine besten Tage hinter sich. Hier treffen wir auf zahlreiche bellende Hunde- aber sie sind alle hinter der Einzäunung des Bauernhofes, also keine Gefahr!

Irgendwann fängt es dann doch wieder an zu nieseln. Ich vermute, unser Reiseleiter Peter hat Oscar, den Busfahrer, angerufen. Jedenfalls erscheint der geliebte Bus plötzlich wie aus dem Nichts auf der Straße und erlöst uns aus dem Nass.
Das wir damit den "Jakobsweg für Weicheier" besiegelt haben, ist uns in dem Moment ziemlich egal...

Der Weg führt uns nach "Castrojeriz" (oder: wo Oscar wohnt), ein ziemlich kleines Dörfchen an einem Hang gelegen. Sehr idyllisch, aber irgendwie unwirklich. Wir wohnen in einem wunderschönen Hostal.
Nachdem wir uns aufgewärmt und gestärkt haben, beschließen wir trotz Regens das Dörfchen etwas zu erkunden. Also: Knirps 'raus und auf geht's! Das Örtchen liegt am Hang. Etwas weiter oben ist eine Pilgerherberge. Mitleidig betrachten wir die durchnässt einkehrenden Pilger und denken voll Freude an unser gemütliches kleines Zimmerlein mit eigener Dusche...

Die Kirche ist leider geschlossen, aber oben auf dem Dorfplatz (der etwas von der verträumten Ausgestorbenheit eines Western hat...) finden wir einen Laden, und nachdem wir lange genug davor auf und ab gehen, durch die Fenster schauen und auf die Türklinke drücken, erscheint tatsächlich der Landeninhaber. Der Laden erweist sich als Juwel. Es gibt einfach alles. Und hier nun endlich kaufen wir sie: unsere! Jakobsmuschel.

Dienstag, 29. April 2008

Puente Hero - Canal de Castilla - Fromistá - Carrión de los Condes

Der nächste Morgen: es regnet immer noch!! Abfahrt mit dem Bus wie immer um 9 Uhr. Ganz Mutige verlassen den Bus an der Puente Hero, dem Regen und Schlamm trotzend. Ich gehöre selbstverständlich dazu. Den zweiten Stopp machen wir am Canal de Castilla. Früher wurde auf diesem Kanal mit Hilfe von Ochsen Getreide hochgezogen. Irgendwann übernahm dann die Eisenbahn diesen Job.
Nächster Halt: Die romanische Kirche San Martín de Fromistá. Wir haben die Nase voll und kaufen uns einen größeren Schirm!

So ausgestattet, kann uns nichts mehr schrecken. Es geht weiter nach Carrión de los Condes. Wir besichtigen die Kirche Sta. María del Camino (11. Jh.). Die Fassade ist verziert mit Stierkopfskulpturen. Interessant ist auch das Portal, auf dem die Übergabe von 100 Jungfrauen an die Mauren dargestellt ist. Der Legende nach mussten pro Jahr 100 Jungfrauen an die Mauren geopfert werden. Eines Tages kamen die Stiere und haben die Mauren verjagt.

Es ist noch eine weitere Kirche in diesem Ort, und zwar die Jakobs-Kirche. Geöffnet ab 10 Uhr. Die Kirche ist heute ein Museum. Eintritt kostet € 1,--. Dafür gibt es aber auch einen Stempel dort.

Als wir um die Straßenecke kommen, trauen wir unseren Augen nicht: Da steht er mitten in diesem verschlafenen Nest: unser stolzer Beitrag zu "Ostwestfalen ist überall"! Welch freudiger Anblick für uns Bielefelder.