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Montag, 15. April 2019

Bom caminho - buen camino

Montag, 15. April 2019 - Santiago

So, dies wird wohl der letzte Bericht über diesen Camino.

Gestern Abend zog es uns noch einmal zum Ort unseres Triumphes, danach sind wir in einem Lokal in einer der hübschen kleinen Gassen Santiagos eingekehrt.



Dann noch ein letztes Mal große Wäsche...


Heute morgen - wir können es nicht lassen - (bei Regen! Haben gestern echt Glück gehabt!!!) noch einmal zur Kathedrale.


Diese wird ein Jahr lang restauriert, aber wir können wenigstens hinein und hinter dem Heiligen Jakobus vorbeigehen und die Hand auflegen.


Da ich meinen Stein, den ich aus Deutschland mitgeslchleppt habe, nicht an dem dafür vorgesehenen Cruz dos Franceses ablegen konnte - wir hatten diese Kilometer im strömenden Regen ja mit dem Taxi umfahren... - lasse ich ihn jetzt beim Heiligen Jakobus und hoffe, dass er dort gut aufgehoben ist.

Um 12 Uhr ist Pilgermesse in der Kirche San Francisco. Die Messe ist komplett in Spanisch ... ok, ich kommentiere das jetzt mal lieber nicht.


Mit dem Segen des Priesters sind wir zurück in den Regen und suchen, völlig durchgefroren, wieder ein schönes Lokal auf. Nach 2 Gläsern Wein und einem Kaffee mit galizischem Grappa kommt langsam wieder Leben in den ausgekühlten Körper.

So - nun heißt es packen und morgen früh geht es zurück nach Deutschland. Mit meinem Geld bin ich gut ausgekommen... dies ist das 1. Mal, dass ich mit mehr zurückkomme, als ich gefahren bin.
Wir haben es immer so gehandhabt, dass ich von den Mit-Essern das Geld erhalten habe und ich habe mit Karte bezahlt. Hatte zwar ziemlich schnell das Imange als „Frau des Bankers“ weg - aber irgendwas ist ja immer!

Die einzige Herausforderung, die jetzt noch bleibt ist: Wie kriege ich die Stöcke auf Koffergröße zusammengeschoben und wie meistere ich den Online-Check-in....

Vielen Dank Euch allen, die Ihr meine Reise auf diesem Blog mitverfolgt habt!

Adiós y hasta luego!



Sonntag, 14. April 2019

Bom caminho - buen camino

Sonntag, 14. April 2019 - Von Padrón nach Santiago de Compostela - 24 km

Gestern Abend habe ich dann noch die Kirche in Padrón angeschaut.


Der Name Padrón lässt sich wahrscheinlich von Pedrón ableiten, dem römischen Altarstein, der dort in der Jakobuskirche unter dem Altar aufbewahrt wird. Der Legende nach wurde an diesem Stein das Boot des Apostels festgemacht, das mit seinen sterblichen Überresten aus Jaffa in Palästina - geleitet von einem Engel - hier angekommen sein soll.


Heute morgen geht es dann richtig früh los - es ist so hellhörig in der Unterkunft, die Nacht ist um  5.30 Uhr zu Ende. Also, in die Stiefel und los. Frühstück gibt es erst ab 9 Uhr, also muss es ohne gehen. Eine Banane hilft über den ersten Hunger hinweg.

Einem spanischen Pilger begegne ich immer wieder, er pilgert mit Hund - auch eine Leistung, wenn man bedenkt, dass der bestimmt die 4fache Strecke läuft...


Die Jakobsmuschel ist hier überall zu finden.


Kurz vor Santiago findet sich dann dieses Schild. Allerdings würde jetzt wohl auch keiner mehr aufgeben...

Andreas m.d.l.B. und ich haben uns in einem Café 6 km vor Santiago verabredet, so dass wir dann gemeinsam in die Stadt einlaufen können. Der Weg zieht sich....würde mein Göttergatte sagen :-)

Und dann ist es endlich soweit, wir stehen vor der Kathedrale. Ein tolles Gefühl.



Und in der Stadt treffen wir dann nach und nach auch viel Mitpilger wieder. Judith aus Holland ist auch gerade angekommen und Varia und Kent aus Kanada ebenfalls.



Wir treffen Maki aus Japan und Gerd aus Saarbrücken, Yves ist auch da, er hat es gar nicht eilig. Während wir uns sofort aufmachen, um unsere Compostela zu holen, will er das morgen in Ruhe machen.


Für 3 Euro gibt es neben der Compostela auch noch einen Nachweis, wie weit man gelaufen ist.


Wir nehmen alles mit! 

Nun geht ein aufregendes Abenteuer zu Ende! Jeden Morgen stellte sich wieder die Frage: Schaffe ich die Strecke, bleibe ich von Blasen an den Füßen und anderen Wehwehchen verschont? 

Alles in allem war es eine  tolle Zeit, die so viele Menschen zusammengebracht hat, von Australien über Kanada bis hin nach Japan - und alle hatten ein Ziel: Santiago de Compostela! 

Samstag, 13. April 2019

Bom caminho - buen camino

Samstag, 13. April 2019 - Caldas de Reis nach Padrón - 22 km

So - die vorletzte Etappe....

Gestern Abend war es wieder der übliche Kampf mit dem Essen vor  20 Uhr - sind schließlich in meinem Hotel auf einen Riesen-Burger eingekehrt.

Vorher haben wir uns noch einen Stempel in der Kirche geholt - die Credencial, der Pilgerausweis, muss ja voll werden. Andreas m.d.l.B. findet das zwar albern, denn es würden 2 Stempel pro Tag reichen. Aber was so ein richtiges Mädchen ist, das möchte ja viele schöne Stempel haben ...


Da ist ja noch Platz!!!

Und Judith und ich haben eine Kerze angezündet für 2 liebe Menschen.


Heute morgen bin ich früh los - ich habe zwar eine richtig hübsche Pousada als Übernachtung, allerdings haben die wohl in der Küche einen Ventilator, der seine Düfte über den Ventilationsschacht bis in mein Zimmer unter dem Dach transportiert.... Die ganze Nacht Brathähnchen kommt nicht so gut :-(

Um 8 Uhr stehe ich also auf der Straße und bin guter Wander-Dinge. Nach wenigen Kilometern treffe ich auf Varia und Kent aus Kanada - völlig ohne Rucksack. Die beiden haben einen Rucksack-Service beauftragt und nun läuft es sich für Varia wesentlich besser.

Kurz darauf kommt Yves mit dem Schirm angerobbt und wir gehen einige Kilometer zusammen. Treffen noch Maki aus Japan, die sich uns anschließt und so wandern wir gemeinsam bis zur nächsten Bar.


Kommen an einem Friedhof vorbei - sehr idyllische Gräber mit den Plastikblumen...


Und die Galizier haben eine gute und günstige Möglichkeit gefunden, die Öffentlichkeit vom Ableben eines geliebten Menschen zu informieren: In jeder Bushaltestelle und an jedem Pfeiler findet man die Todesanzeigen.


Und immer wieder Pilger-Denkmäler.



Hunde - echt ein Thema, sowohl in Portugal als auch in Spanien. Kaum ein Haus ohne mindestens einen Hund, der sich aber so richtig aufregt, wenn man vorbeigeht.


Dann treffe ich Gerd aus Saarbrücken und wir laufen gemeinsam bis Padrón. Er geht in die Pilerherberge und ich laufe bis zu meiner heutigen Unterkunft, einem Rural-Hotel. Das hat sogar eine winzige Sauna, die ich als Sauna-Freak natürlich sofort ausprobiere. Leider liegt das Hotel ca. 1.5 km außerhalb von Padrón, so dass ich mit einem Taxi gleich in den Ort zurückfahren werde. Wir sind ja in Padrón - und wer kennt sie nicht, die Pimientos de Padrón - die müssen natürlich probiert werden...


Morgen - etwas wehmütig... die letzte Etappe!




Freitag, 12. April 2019

Bom caminho - buen camino

Freitag, 12. April 2019 - Von Pontevedra nach Caldas de Reis - 23 km

Gestern in Pontevedra bin ich erst einmal auf die Suche nach einem Outdoor-Geschäft gegangen, in der Hoffnung, ein paar Trekking-Schuhe zu finden, die nicht über den Knöchel gehen, damit ich endlich die wasserfesten tauschen kann. Außerdem tut bei denen der Knöchel auch leicht weh und wer weiß, wie lange das noch gut geht. Ich finde auch ein Geschäft, aber in Größe 39 gibt es leider nichts, was passt :-(

Aber - selbst ist die Frau - und mit einem hilfreichen Mann, der ihre Ideen umsetzen kann, wird dem Problem zu Leibe gerückt. Andreas hat nicht nur lange Beine, sondern auch ein Chirurgen-Messer dabei (er ist Tierarzt)  und so wird dem Knöchel schnell Platz geschaffen.


Und was soll ich sagen - 23 km ohne die geringsten Probleme!!!

Heute morgen starten wir um 8.30 Uhr bei Sonne aber 3°.


Heute ist die bisher schönste Etappe des Weges. Es geht durch Wald und Wiese - einfach traumhaft und dann bei dem Wetter... Nach und nach greift das Zwiebel-Prinzip und ein Pullover weicht dem nächsten.





Nachdem Andreas m.d.l.B. und ich zusammen gestartet sind, ist mein Tempo dann aber doch nicht das Richtige für ihn und er hält schon mal einen Platz in der nächsten Bar frei.

Die kommt auch passend immer nach ca. 7 km. Das ist genau richtig und wir genießen Sonne, Café, frisch gepressten Orangensaft oder auch ein Alster, je nach fortschreitender Tageszeit.

In der ersten Bar treffen wir Varia und Kent aus Kanada wieder. Sie läuft zwar immer noch mehr schlecht als recht, musste aber wenigstens den Camino nicht abbrechen.


Dann laufe ich noch eine Zeitlang mit Yves aus Belgien, er schleppt inzwischen einen ziemlich großen Schirm mit sich ‘rum, immer am Rucksack angebracht. Er hat ihn bei dem Regen in Tui gekauft und meint nun, der Schirm sei sein ständiger Begleiter, den er nicht mehr hergebe. Er weiß nur noch nicht, wie er ihn im Flieger nach Belgien kriegen soll. Tja - der eine gibt seinen Kinderwagen auf, der andere halt seinen Schirm....

Heute Abend treffen wir auch Judith aus Holland wieder und wollen zusammen essen. Das stellt übrigens jeden Abend ein Problem dar.... die spanischen Lokale machen immer erst ab 20 Uhr auf. Das ist uns Frühaufstehern zu spät, und so ist jeden Abend Kampf angesagt....

Mal sehen, was uns heute Abend erwartet....

Nun sind es nur noch 2 Etappen und ich bin schon in Santiago.... die Zeit ist echt schnell herumgegangen.

Donnerstag, 11. April 2019

Bom caminho - buen camino

Donnerstag, 11. April 2019: Von Redondela nach Pontevedra - 19 km

Heute morgen verlasse ich mein kleines Agrar-Schloss nur ungern. War das ein schöner Ort - ich habe selten einen hübscheren Platz gesehen.




Es waren noch 3 spanische Pilger aus Málaga da und die wußten zu berichten, dass es sich hier um den Landsitz eines Herzogs handelt. Die Familie wohnt auch noch hier. Das Hotel liegt mitten in einem Weinberg, und den Wein habe ich sogar zu trinken bekommen zum Abendessen.


Ich kann nicht anders und muss einfach viele Fotos machen.









Heut morgen geht es früh los - 8.30 Uhr bin ich auf der Strecke, es ist kühl aber sonnig. Während ich so vor mich hinlaufe, bekomme ich Gesellschaft.


Der Kater begleitet mich - laut klagend - eine ganze Zeit, bis ich an die Nationalstraße komme, da gibt er auf. Hätte ich auch am Liebsten. Das Laufen an der Straße war voll gefährlich. Ein ganz kleiner Streifen bleibt zum Wandern und neben mir rasen die LKW in voller Fahrt vorbei. Mir ist echt nicht wohl.... Wie kann man so etwas bloß machen! Es ist zwar ein blinkendes Schild an der Straßenseite, das auf die Pilger hinweist. Aber das kümmert den spanischen LKW-Raser wenig.

Und plötzlich sehe ich in der Ferne das Meer!



Heute treffe ich neben der deutschen Fraktion wieder viele Pilger aus den unterschiedlichsten Ländern, eine Pilgerin aus Australien, eine aus der Schweiz, ein Ehepaar aus Irland, 2 Mädels aus Luxemburg, eine aus Italien und Hans aus Minden!


Wenn der Weg nicht gerade an der Nationalstraße entlangführt, ist er wunderschön, fast ausschließlich durch Wälder.




Leider aber auch sehr anstrengend, es geht ständig `rauf und `runter.
Die Knie findend das gar nicht so spaßig....

Heute Abend schauen wir uns mal das Nachtleben von Pontevedra an. Ich hatte die Hoffnung, dass ich ein paar neue Schuhe dort finden könnte, denn meine Stiefel drücken am Knöchel fürchterlich, kann ich gar nicht mehr anziehen. Habe zum Glück noch die wasserdichten dabei, damit kann ich einigermaßen laufen. Nur das Klima ist darin natürlich nicht so gut..... Aber irgendetwas ist ja immer.

Vielleicht kann Andreas einfach ein Loch in die alten schneiden :-)